Meine Marinezeit in den 70er Jahren

von Gunter Krause, Obermaat der Reserve

Dienstzeit: 1.7.1973-30.6.1977

1.6.73-31.8.73 Grundausbildung/Gastenlehrgang (23 ) 3.MOS Bremerhaven, Matrose/Gefreiter UA

1.10.73-31.12.73 Fachlehrgang I 1.MOS Bremerhaven, Gefreiter UA

1.1.74 -31.3.74 Fernmeldeabschnitt 11 Glücksburg ( Flottenkommando ) Obergefreiter UA Radargast im Lagezimmer

1.4.74-30.6.74  Tender Saar A 65, Radargast

1.7.74-30.9.74 militärischer  Maatenlehrgang 1.MOS Bremerhaven,  Beförderung zum Maat mit Wirkung 1.10.74

1.10.74-30.6.77 Radarabschnittsleiter an Bord eines Flugkörperschnellbootes Typ 148 ( Tiger Klasse )

Beförderung zum Obermaat in der Sylvesternacht 1975, auf der Brücke S-52

Die schönste Zeit in der Flotte, ich kam auf ein nagelneues Schiff und gehörte zur Erstbesatzung.

 

1. Skandal in der Bundesmarine

8.10.1976 Obermaat heiratet Bürgerliche

 

Marine Galerie

     

Fern der Heimat

69 DE B15 BULLDOG AWAY AR

Feindliches Motorrad kreuzt Kielwasser!

Kommentar des I WO hierzu: " Ah, ja, meine Unteroffiziere denken nach! "

Immer schön aufpassen, dass niemand das Schiff klaut!

1976 Brest, Wache auf  dem Steuerbordseitendeck Tender Main

Stolz der Flotte:  

S-52, Nachfolger vom Storch 

 

Wir legen an der Steuerbordseite des Tenders an.

 

 

    

Ab nach Hause! Rückmarsch aus der Biskaya, dort waren wir im Sommer 1976 zum Raketenschießen.

   

 

       

   

Sonnenauf-oder Untergang? Unser Kurs 185°

  

 

2.Skandal in der Marine 

Passionierter Schnellbootfahrer baut eine Fregatte!!

 Nachdem der Schiffsbauplan lange Zeit in einer Schublade sein Dasein fristete, bat mich mein Zwillingsbruder, ihm seine "Emden" Fertigzubauen. Nun hab ich schon ein ordentliches Stück geschafft. Wir haben uns überlegt die Emden mit Preiser Figuren im Maßstab 1:100 zu beleben. Das wird eine Heidenarbeit sie zu bemalen. Mast und Artillerie sind auch schon fast fertig. 

 

      

      

" Herzlich willkommen an Bord S52 "   

 

     Eine kleine Geschichte  

Anekdote Nr.1

Hafenroutine

Sommer 1976, wir lagen nun schon länger im Stützpunkt und die Routine griff mehr und mehr um sich. Heinz und ich waren in der OPZ,  um mit den Radargasten die Seekarten zu berichtigen. 

 

Langweilig, langweilig. Es musste etwas Witziges passieren. 

 

Da ich wusste , Plantschi,  unser T1 war auf der Pier mit irgendwelchen wichtigen Heizersachen beschäftigt, 

war die Idee schnell geboren. 

Heinz und ich machten gemeinsam eine Durchsage über die Schiffslautsprecheranlage, natürlich auch über Oberdeck: 

" Plantschi zum Mottek auf die Kammer". 

Erstes Gekicher aus dem Mittelgang war Zeichen für die willkommene Abwechslung. Zufrieden nahmen wir einen Schluck Bier. 

Er war noch nicht im Magen angekommen als sich durch ein Knacken in den Lautsprechern eine Durchsage ankündigte:

 " Die Obermaate Weidemeier und Krause zum Kommandanten auf die Kammer. " 

Bingo! Wir meldeten uns wie befohlen und holten uns einen netten Anschiss ab, 

wobei der Ausdruck Kindergarten der stubenreinste war. Mit einer Handbewegung wurden wir entlassen.

 

" Obermaat Krause!", hielt mich der Alte zurück. " Herr Kaleu?" " Wer ist eigentlich Mottek?"

  " Äh, hm, das äh..... ist der Antriebsmeister Herr Kaleu".  " Raus mit Euch" .  

Immerhin war somit für eine gute Viertelstunde die Hafenroutine durchbrochen.

 

Eure Plottkugel

 

                                                                                

Anekdote Nr.2

NAVCOMEX

Naval communication exercises, das bedeutet nichts anderes als eine Fernmeldeübung,

welche in diesem Fall auf Geschwaderebene im Stützpunkt Olpenitz durchgeführt wurde. 

Die Vorbereitungen waren getroffen. Rufzeichen waren in einer Briefing auf der Pier ausgeteilt,

die UHF Verbindungen in der OPZ waren gesteckt und die Frequenzen geschaltet.

Das wichtigste wurde nun noch oben auf dem Luk zum OPZ Niedergang befestigt; ein relativ großes Schild

 " RUHE! NICHT STÖREN! FUNKÜBUNG ".

Natürlich in roter Farbe.

 

Unten ging es nun zur Tat. Radio check und der ganze Zinnober, der dann eben abläuft.

Signale empfangen, aus dem Signalbuch raussuchen,

 weitergeben oder verändert weitergeben. Immer das gleiche.

 

Auf einmal kam ein Grunzen, Vogelzwitschern andere Geräusche aus der Tierwelt und auch solche,

die einem Glauben machten, man säße im Wartezimmer eines Facharztes für Pschychiatrie.

Natürlich wurde die Übung vom Geschwaderradarmeister überwacht und so kam natürlich klar zuhören:

"This is D12 unknown station keep radiodiciplin over."

Auch die Antwort kam prompt:

 "This is unknown station roger out."

So und so ähnlich verlief der Vormittag, bis endlich das Signal EX3-3 gegeben wurde.

      Diese Übung ist beendet.

 Eure Plottkugel

 

Anekdote 3

Der Heizertrunk

Bei den  Maaten des 5. Schnellbootgeschwader´s war es üblich, die neu zuversetzten Kameraden

mit einen " Heizertrunk "  in die Reihen der gestandenen Mariner aufzunehmen.

Dies geschah nach alter Sitte im Stammlokal der S-Bootfahrer in Olpenitz-Dorf.

 Wir waren so an die 8 Neue, gegen 7 Alte. Eigentlich ist es nicht verwerflich, Kameraden mit einem Trunk zu begrüßen.

Die Sache nahm allerdings einen total anderen Verlauf:

Schön zwanglos aufgereiht, nach der Reihenfolge der Bordzugehörigkeit, saßen wir an einer großen Back..

Jeder einen halben Liter Bier vor sich, es wurde geraucht, gescherzt und sich locker unterhalten.

Da meinte der Decksälteste, es wäre wohl an der Zeit den Heizertrunk  zu bestellen.

Die Bedienung brachte ein Wasserglas halbvoll mit Weinbrand und stellte es besagtem Obermaat an seinen Platz.

Er setzte an, gurgelte, spülte sich die Zähne und verpasste seinen Wangen einen inneren Abwasch,

 um anschließend das Glas mit dem so wohltemperierten Weinbrand zu füllen.

In dieser Manier sollte das Glas die Runde drehen bevor der Jüngste es leeren durfte.

 

Soweit  so gut, nur, der Letzte in der Reihe war dummerweise ICH..

 

Es dauerte auch nicht lange bis ich unter Grinsen der Kameraden den -  im wahrsten Sinne des Wortes -

 " Longdrink " in mich hinein goss.

Der Weg zur Toilette war Gott sei Dank nicht allzu weit.

 

Eure Plottkugel

 

 

 

Annekdote Nr. 4

God save the Queen

Herbst 1976, wir befanden uns mit dem Mannöver:

 Fast Patrolboat exercises, baltic approaches,

in den dänischen Gewässern vor Frederikshavn. Das ist das Kattegatt.

 

Insbesondere wurde die Zusammenarbeit mit anderen Marinen trainiert. Speziell mit der dänischen und englischen Schnellbootflottille.

Nicht nur gemeinsames Aufspüren von Invasoren aus dem Osten,  auch Fernmelde- und praktische Fahrübungen standen auf dem Plan.

Das wir,  nach Einlaufen,  eine besondere Form der Zusammenarbeit üben würden war  uns  nicht bewußt.

 

Nach dem Signal EX 3-3 vom Flottenkommando,

( Diese Übung ist beendet )

lieferten wir uns noch ein Rennen mit einem dänischen und englischem Schnellboot,  aus dem die Dänen als neidlose Sieger hervorgingen.

Die haben sicherlich das S-Bootfahren erfunden.

 

Beim Einlaufen in " Fiddihaun " ergab es sich, dass wir neben unseren beiden Kontrahenten aus dem Rennen festmachten.

Währen des Seeklarzurückmachens,  hatte ich Besuch eines Radarmaaten der Royal Navy in der Operationszentrale,  der uns

zum Einlaufbier in deren Unteroffiziersmesse einlud.

 

So fing alles an:

Die Zusammenarbeit mit den Mannöverkameraden  klappte bei dunklem englischen Bier hervorragend, die Sitte der Tommies, jede volle Stunde

ein Glas schwarzen Rum auf das Wohl der Königin zu leeren,  überzeugte uns nachhaltig von deren Patriotismus.

Dänischer Akvavit und westfälischer Schinkenhäger ließen diesen Teil des Mannövers zu einem vollen Erfolg

gedeihen.

 

Und so endete es:

( Ein Bild sagt mehr als tausend Worte )

 

God save the Queen !

Eure Plottkugel

 

 

Annekdote Nr. 5

Eine warme Mahlzeit

nichts für schwache Nerven

 

Im Stützpunkt Olpenitz war die Marine sehr bemüht, mit zahlreichen Freizeitangeboten, die Lords vom Landgang abzuhalten.

Dies gelang jedoch nicht immer

  Das Angebot der nahen Stadt Kappeln mit dem zum Schweinchenkino ausgebautem Leuchtturm, ihren zahlreichen Kneipen und

der relativ billigen Taxifahrt aufs bäuerliche Umland zog Abend für Abend zahlreiche Mariners an Land.

Unsere Gang hatte sich auch mal wieder aufgerafft, wir wollten nach einem kurzem Zwischenstopp im "Kino" mit der Taxe zu

einem nahe gelegen Bauernhof verholen, auf dessen Tenne der Wirt Tablettweise ( 60 Gläser ) Wodka/Lemon oder Cola/Rum verkaufte.

Auf dem Vorplatz des Schweinchenkino`s befand sich neben dem Taxistand auch ein Fischmacker, der mit sauren Fischen belegte Brötchen

verhökerte. Jeder von uns bunkerte noch schnell eins oder zwei, um eine solide Grundlage für die sich abzeichnende Zecherei zu schaffen.

Diese verlief wie gewohnt ohne größere logistische Pannen des Wirtes.

Ein Taxi sollte uns wieder zur Stützpunktanlage  befördern.

Alles wunderbar, der Daimler kam vorgefahren und wir Lords ließen uns ganz weltmännisch in ihm nieder.

Vielleicht ob der welligen geologischen Beschaffenheit des Landes, -- jedenfalls ging es Plantschi (siehe An.1) nicht berühmt.

Er drückte dem vor ihm sitzendem Chauffeur ganz ungeniert seine noch nicht vollständig verdauten Fischbrötchen und Alkoholika in das Genick.

Der wohlgemeinte Rat unseres Ari I, Walter Brösel, ihm es in eine Tüte zu kratzen, sodass er nach der Fahrt eine warme Mahlzeit, ähnlich Labskaus,

hätte, änderte nichts an der Tatsache dass wir aussteigen, den vollen Preis und 20.- DM für Reinigung abdrücken mussten....

Den Rest per Pedes, aber es war nicht weit und wir haben den ganzen Weg gelacht.

 

Hoffentlich macht der Smut heute kein Labskaus.

 

Eure Plottkugel

 

 

Annekdote Nr.6

Sie fuhren zur See und fanden das Land nicht

Wahrlich ich sage Euch, auch wir Ostseerocker waren recht oft in der Nordsee. Wahrscheinlich für einige Nav-Uffze nicht oft genug.

Nach einer Werftliegezeit in Lemwerder, bei der berühmten Lürrsen Werft, war die Verlegungsfahrt in den Stützpunkt Olpenitz angesagt.

Damals spielte der Kraftstoffverbrauch keine Rolle und es war entschieden, den weiteren Weg über Skagen zu nehmen.

 

Eigentlich keine große navigatorische Herausforderung.

 

Die Besatzung war auf Übungsmarschstation, die OPZ nicht besetzt, das Seeraumüberwachungsradar auf Standby und ziemlich alles war bei bestem Sommerwetter auf der offenen Brücke. Alles war ziemlich locker. Wer einmal navigiert hat, weiß wie schnell mann im wahrsten Sinne des Wortes den Faden verlieren kann.

Der Nav war abgelenkt, ( sonst wäre ihm das nie und nimmer passiert ) als der Kommandant unseren Standort wissen wollte.

Der Nav versuchte mit einigen Tricks  von seiner Nachlässigkeit abzulenken, es nutzte nichts und der halblaute Ruf von der Brücke: " Irgendwo nördliche Halbkugel"

brachte schon etwas Auflockerung in das ernst werdende Gespräch der Beiden.

Der hinzugetretene ev.-luth. Pfarrer, welcher sich an Bord befand, ( evangelische Sündenabwehr Kanone ) nahm mit seinen Worten,

" Es steht doch schon in der Bibel, sie fuhren zur See und fanden das Land nicht " dem Geschehen die Spitze.

 

Da musste dann auch der Kommandant lachen und der Nav hatte natürlich schon längst den aktuellsten Schiffsort parat.

 

 

Der Original Schnappschuß zu dieser Annekdote

 

P.s. Nach dem Willen der EU, heißt es nicht mehr Nordsee sondern Nord-Ostatlantik.

Da lacht die Hochseekuh.

 

Eure Plottkugel

 

 

Anekdote Nr.7

Hubschrauber oder Hoovercraft ? 

Das ist garantiert schon jedem jungen Radarmaat passiert !

              

Im englischen Kanal ,besonders auf der Höhe Dover - Calais, heißt es immer gut aufpassen. Diese Wasserstraße ist ein sehr stark befahrenes Seegebiet, Mitläufer, Entgegenkommer und natürlich die Dwarsläufer. Für die OPZ (Operationszentrale ) bedeutet das, alles plotten, CPA (Closed Point of Approach ) Kurse und Fahrt der aufgenommenen Radarkontakte ermitteln.

So dann auch die Meldung von mir an die Brücke: Kontakt in 230° Kurs 085°, Fahrt 55 Knoten. Hubschrauber!!!.

Kurz darauf meldet sich die Brücke: Maat Krause zum I WO auf die Brücke. Was war jetzt? Noch mal schnell nachgerechnet und ab nach oben, vor dem I WO aufgebaut und gemeldet:  "Maat Krause, melde mich wie befohlen!" " Keine Panik, Maat Krause, aber nehmen sie einmal mein Fernglas und schauen sich den gemeldeten Kontakt einmal an."

Ein Blick durch das Glas zeigte mir den Kontakt nun schon in 3Dez Steuerbord voraus und siehe da, es war natürlich ein Hoovercraft auf der Überfahrt von Dover nach Calais.

Wie Dumm von mir, das hätte ich eigentlich wissen sollen, hier eher ein Luftkissenfahrzeug denn einen Hubschrauber zu erwarten. " Alle anderen Angaben waren exakt, also immer noch mal Überlegen. Sie können dann wieder in die OPZ." so der Oberleutnant.

Im Mittelgang stieß ich dann auf den Kommandanten, aus dessen süffisanter Miene ich erkannte, er hat das auch mitbekommen. " Maat Krause, halten Sie sich immer vor Augen in welchem Seegebiet wir uns befinden. Aber das passiert so gut wie jedem jungen Maaten." " Jawohl, Herr Kaleu"

Beim Einlaufbier wurde dieses Ereignis natürlich noch länger diskutiert.

Nur gut, dass ich keinen Leuchtturm mit 55 Knoten Fahrt gemeldet habe, denn das ist in der guten alten Bundesmarine auch schon da gewesen.

 

Eure Plottkugel

Und es gibt ihn doch!! Nach dem Einlaufen steht ein Seaking im Hafen.

Das war natürlich der Schnappschuss schlechthin.